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Schorsch Kameruns Stadtprojekt in Dortmund auf der Bühne

Theaterfestival „Favoriten“ und Ruhrtriennale kooperieren erstmals und zeigen Stadtprojekt von Schorsch Kamerun in der Dortmunder Nordstadt
Der Theatermacher und Musiker inszeniert in seiner Uraufführung Nordstadt Phantasien das vermeintliche Problemviertel als Simulation einer urbanen Goldgräberstimmung
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte kooperieren die „Ruhrtriennale“ und das Theaterfestival „Favoriten“ aus Dortmund und tragen so zur Vernetzung der Freien Kulturszene in der Region bei. Christoph Marthalers Schöne Müllerin war 2002 das letzte große Projekt der Ruhrtriennale in Dortmund. Nun entstand im Dialog der beiden Festivals die Idee, das Stadtprojekt von Schorsch Kamerun im Dortmunder Norden zu verorten. Genau dort, wo das „Favoriten“ Festival vom 6.-16. September 2018 seine Zelte aufschlägt.

Alle zwei Jahre präsentiert „Favoriten“ (ehemals „Theaterzwang“) seit 1985 herausragende Stücke der Freien Theater-, Performance- und Tanz-Szene Nordrhein-Westfalens und bespielt – seit jeher ohne festes Haus – jeweils andere Spielstätten und Orte in Dortmund. Unter der künstlerischen Leitung von Fanti Baum und Olivia Ebert heißt es 2018 nun Bühne: Nord. Das Programm stiftet überregionale und lokale Auseinandersetzungen: Neben der Produktion von Schorsch Kamerun initiiert das Theaterfestival ein Residenz-Programm für Künstler*innen auf dem Gelände der Werk Union in Zusammenarbeit mit der Dortmunder Initiative „die Urbanisten“ und eine Ausstellung gemeinsam mit dem Künstlerhaus Dortmund.

Nordstadt Phantasien – die Konzert-Installation des Theatermachers und Musikers Schorsch Kamerun („Die Goldenen Zitronen“) bildet den Prolog und Auftakt des Festivals. Bereits zwei Wochen vor Festivalstart bespielt Kamerun ab dem 23. August den Dortmunder Norden, bevor am 6. September das „Favoriten“ Festival im Theater im Depot eröffnet und am 7. und 8. September das Finale der Nordstadt Phantasien in seinem 11-tägigen Programm zeigt.

Gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Katja Eichbaum, der Musik-Initiative „Off The Radar“ und im Dialog mit Nachbar*innen und Ladenbesitzer*innen richtet Kamerun den Blick auf die Aufwertungsmechanismen und ihre widersprüchlichen Konsequenzen. Nordstadt Phantasien behauptet ein Szenario, das in anderen Großstädten längst Realität ist: Wie sieht es aus, wenn eine mit reichlich Platz gesegnete, aber vom Markt ignorierte Gegend über Nacht heiß verdichtet wird durch markenoptimierende Stadtraum-Veredler*innen, Superkreativklässler*innen und Do-It-Yourself-Profitler*innen? Wie viele originelle Pop Up-Stores, Local Food Trucks oder Off-Galerien braucht es, damit Stadtutopist*innen zwischen Kunststudent*in und Investor*in sich in Bewegung setzen, um aus einem gemiedenen „Problemquartier“ ein begehrtes Trendviertel zu machen?

TeilnehmerInnen von Nordstadt Phantasien blicken in das Filmset eines widersprüchlichen, aber hoch beliebten Kiezes, welcher „lebendig, divers und spannend“, also auf dem Weg in eine nicht mehr zu bezahlende, angenehme Buntheit ist. Der musikalische Untersuchungsparcours für jeweils ca. 100 Personen findet sein Finale im jetzt schon hippen Club Kohleausstieg – aka „Rekorder“ – ein zur jungen Dortmunder Szene gehörender Club in der Gneisenaustraße –, wo mit wechselnden Konzerten weiter gefeiert – und demnach aufgewertet wird. Die entscheidende Frage für die Künstler*innen lautet: Wie lässt sich eine deutliche Sprache für Musik, Text und Haltung behaupten – und gibt es überhaupt noch eine mögliche Form, die sich nicht vereinnahmen lässt?

Das Festival-Programm von „Favoriten“ 2018 wird Mitte Juni bekanntgegeben.

www.favoriten-festival.de